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EnEV – Aktuelle detaillierte Informationen

Sanierung von Außenwänden mit WDVS ohne EnEV-Einhaltung möglich!

Die EnEV 2014 ist am 01.05.2014 in Kraft getreten und gilt seit dem 01.01.2016 mit Verschärfungen. Sie enthält im Vergleich zur Vorgängerfassung, der EnEV 2009, geänderte Anwendungsbereiche an bestehenden Außenwänden (Anlage 3 Nummer 1). Nachdem in 2009 bereits Innendämmungen und das Ausfachen von Fachwerkwänden herausgenommen wurden, ist in der aktuellen EnEV auch der Einbau von Dämmschichten entfallen. Auf Anfrage des Fachverbandes der Stuckateure für Ausbau und Fassade Baden-Württemberg hat sich die Projektgruppe EnEV der Bauministerkonferenz mit der Auslegung der aktuellen Anwendungsbereiche beschäftigt. Mitgeteilt wurde, dass der Einbau von Dämmplatten eines WDVS nicht in den Geltungsbereich der Anlage 3 Nr. 1a („…Bekleidungen in Form von Platten oder plattenartigen Bauteilen …“) fällt. Nur wenn der Außenputz erneuert werden muss und ein WDVS nach Abnehmen des Altputzes montiert wird, muss die EnEV angewendet werden (Anlage 3 Nr. 1b EnEV).

Nach derzeitiger Auslegung der EnEV darf ein WDVS auf einen vorhandenen, intakten und tragfähigen Altputz ohne Einhaltung der EnEV-Vorgaben angebracht werden. Auch ein intakter Putz darf mit einer Armierungslage und Oberputz überarbeitet werden – eine Forderung zu dämmen gibt es nicht. Muss der Altputz jedoch abgenommen werden, weil er z. B. nicht tragfähig oder aus materialverträglicher Sicht überarbeitbar ist, müssen die EnEV-Vorgaben eingehalten werden.

Die Anwendung der EnEV ist weiterhin nur erforderlich, wenn mehr als 10 % der gesamten Außenwandfläche überarbeitet werden sollen. Der Mindestwärmeschutz nach DIN 4108-2 muss natürlich weiterhin beachtet werden. Die energetische Qualität des Gebäudes darf sich nicht verschlechtern.

Daraus ergeben sich für die Beratung von Planern und Bauherren neue Möglichkeiten: Ein WDVS kann den baulichen Gegebenheiten sowie den energetischen und wirtschaftlichen Möglichkeiten entsprechend optimal geplant werden, ohne die häufig als überzogen und starr empfundenen Auflagen der EnEV zu erfüllen. Als Anlage ist schematisch dargestellt, welche Möglichkeiten der Sanierung von Außenwänden durch Putzerneuerung oder WDVS-Montage aus Sicht der EnEV möglich sind.

Bei der Beratung ist eine Orientierung auf eine optimale Dämmstoffdicke ohne Kenntnis der Bausubstanz kaum möglich: Je schlechter die Substanz, desto früher amortisiert sich die Fassadendämmung. Witterungsbedingungen und Nutzungsgewohnheiten, auch die Entwicklung der Kosten für Energieträger und –technik oder Baupreise beeinflussen die Wirtschaftlichkeit. Bauliche Gegebenheiten wie Anbauten und Fremdmontagen, Fensteranschläge etc. müssen bei einer Beratung berücksichtigt werden. Folgekosten von Fassadendämmungen, wie die Verlängerung des Dachüberstands, der Einbau neuer Fensterbänke oder Kostensubstitution durch Fördermittel, können Entscheidungen beeinflussen.

Eins ist sicher: Gedämmte Außenwände senken nicht nur laufende Kosten für Energie:

  • Der Verbrauch meist endlicher Energieträger wird gesenkt
  • Die Umwelt wird entlastet
  • Die Behaglichkeit in den Wohnungen wird gesteigert
  • Die Schimmelgefahr wird minimiert
  • Die Außenwand wird vor hygrothermischen Einflüssen geschützt
  • Das optische Erscheinungsbild wird aufgewertet
  • Der Wert der Immobilie wird erhöht

Sie sehen selbst: Es bleiben genug gute Argumente für die Dämmung von Außenwänden mit WDVS.

Die wirtschaftlichste Dämmstoffdicke? Zusammenhänge berücksichtigen!

  • Die Ermittlung der wirtschaftlichsten Dämmstoffdicke kann z.B. durch einen Energieberater berechnet werden. Einflussfaktoren sind z.B.

    • der Flächenanteile der Fassade und anderer wärmeumfassender Bauteile
    • der Ausgangszustand der wärmeumfassenden Bauteile
    • geplante Einzelmaßnahmen oder Maßnahmepakete
      (Fassade mit WDVS + Fenstererneuerung + Dachdämmung + Heizungsoptimierung)
    • Nutzung des Gebäudes
    • Entwicklung von Energiepreis und Kapitalzins
       

  • Der U-Wert der Außenwand wird durch die ersten cm Dämmstoff am meisten beeinflusst. Ein niedriger U-Wert führt zu höheren Wandinnentemperaturen.
  • Je niedriger der U-Wert der Ausgangskonstruktion ist, desto größer ist die potentielle Energieeinsparung durch ein WDVS.
  • Wenn eine Fassade einmal überarbeitet werden soll, fallen unabhängig davon, wie dick die Dämmung ist, Kosten an, z.B.:
    • Gerüststellung, Baustelleneinrichtung, Demontagen + Montagen
    • Untergrundvorbereitungen
    • Herstellung von Anschlüssen an Fenster, Fremdeinbauten etc.
    • Verklebung der Dämmstoffe, Armierung, Oberputz und ggf. Anstrich
       

    Der Preis der Dämmstoffe pro cm Dicke ist im Vergleich zu den Sowieso- und Gesamt-Erstellungskosten eines WDVS niedrig.
     

WDVS haben eine lange Nutzungsdauer. So kommen das Fraunhofer Institut für Bauphysik in Holzkirchen und das Institut für Bauforschung in Hannover in Ihren Untersuchungen übereinstimmend zu dem Ergebnis, dass sich Außenwände mit WDVS hinsichtlich der Schadensanfälligkeit auch über einen längeren Zeitraum nicht von normalen Putzfassaden unterscheiden. Standzeiten bis zu 40 Jahren sind keine Seltenheit.

Schematische Darstellung einer Sanierung mit WDVS nach EnEV

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