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Farbe Regional im Interview

Bachelorinnen geben Antworten zur Farbigkeit in Deutschland

Stadtbilder sind verschieden, haben sich historisch entwickelt und stehen in ständigem Veränderungsprozess. Architektur, Fassadenfarbigkeit, Umfeld und Lage verleihen jeder Stadt ihr individuelles Erscheinungsbild und tragen sowohl für Bürger als auch für Besucher zur Identifikation eines Ortes maßgeblich bei.

Bei genauem Betrachten verschiedener Stadtfassaden sind ortstypische Farbcharaktere immer stark durch die verwendeten Materialien und deren Eigenfarbigkeit beeinflusst. Dies ist ursprünglich auf vorhandene Ressourcen zurückzuführen, die immer schon als Grundstoffe für Baumaterialien dienten. Ortstypische Bestände von Holz, Sand und Stein prägen deshalb regionale Unterschiede.

Entscheidet sich ein Ort oder eine Stadt zur Sicherung beziehungsweise Wiederherstellung des authentischen Ortsbildes, ist dies ein mutiges und langfristiges Unterfangen, das eine umfangreiche und detaillierte Bestandaufnahme voraussetzt. Solch eine Analyse dient zur Vorbereitung weiterer Planungen und verschafft einen komplexen Überblick der Material- und Farbsprache. Orts- und Bestandsanalysen können sich auf eine ganze Stadt, Stadtgebiete oder Straßenzüge beziehen. Das Ergebnis beschreibt den grundlegenden Charakter des analysierten Gebietes.

Mit der Thematik dieser Wiederherstellung lebenswerten gebauten Umfelds befassten sich die Bachelorarbeiten von Sabrina Federschmid und Carla Volle (HAWK Hildesheim Farbdesign). Sie entstanden in Zusammenarbeit mit Dipl.-Des. Margit Vollmert und Dipl.-Ing. Kirstin Bachmann vom Caparol-FarbDesignStudio.

Neue Farben für Meßkirch

Carla Volle erstellte ein Farbkonzept für die Stadt Meßkirch (Baden-Württemberg), wobei der Fokus auf den historischen Stadtkern gerichtet war. Als Grundlage für ihre Farbplanung wurden sowohl Farbbestand als auch Stadtstruktur und Straßenraum in einer Orts- und Zustandsanalyse betrachtet. Bei der Analyse der Material- und Fassadenfarben filterte Volle die ortstypischen und die regional prägenden Farbigkeiten heraus und übernahm diese in die neue Farbpalette. Der stadteigene Farbcharakter blieb erhalten und wurde durch neue verbindende Töne ergänzt.

Das Farbkonzept für den historischen Stadtkern entstand in Abstimmung mit der Stadt Meßkirch, dem Stadtbauamt und dem Bürgermeister. Meßkirch steht nun eine individuelle Farbauswahl zur Verfügung, welche im Lageplan mit allen Gebäuden des Ortskerns dokumentiert ist und zur Orientierung für die Gestaltung des Bestandes dient. Circa 120 Farbtöne sind für die Stadt im eigenen Farbfächer zusammengestellt und in Bereiche Fassade, Akzent und Sockel eingeteilt.

Nord und Süd im Vergleich

Sabrina Federschmid verfasste eine analytische Arbeit und Dokumentation zum Thema „Regionale Farbigkeit“.

Zunächst wählte sie zwei beispielhafte Orte und schuf mit der detaillierten Bestandsaufnahme die Grundlage für zukünftige Farbplanungen. Am Beispiel der beiden historischen Stadtkerne Celle (Niedersachsen) und Ludwigsburg (Baden-Württemberg) zeigte Federschmid auf, wie unterschiedlich die Charaktere von Städten und Regionen sein können. Sie definierte stadtbildprägende Objekte und dokumentierte deren Materialien und Farbigkeiten: Das Ergebnis der Gegenüberstellung verdeutlicht auffällig die ortstypischen Merkmale.

Interessant ist, dass beide Städte einen barocken Ursprung haben, jedoch regionale Einflüsse die markanten Stadtbilder stark beeinflussten. In Celle dominiert das dunkle Fachwerk mit seinen kräftigen Akzentfarben in Kombination mit dem für Norddeutschland typischen roten Klinker. In Ludwigsburg hat dagegen der Sandstein die Architektur deutlich geprägt. Die Farbigkeit im Pastellbereich ist durch die Buntsandsteine und deren Pigmente regional verankert.

Stadtkern Celle in Niedersachsen

Stadtkern Ludwigsburg in Baden-Württemberg

Farbprofile der Städte Celle und Ludwigsburg im direkten Vergleich

Interview

Bachmann, Caparol FarbDesignStudio:
Wie seht Ihr die Entwicklung zum Thema Farb- und Fassadengestaltung in der Stadtplanung?

Federschmidt/ Volle, Farbansichten:
Begriffe wie Identität, Image und Brand werden nicht mehr nur im Rahmen von Marketingstrategien diskutiert, sondern spielen zunehmen auch in Prozessen der Stadt- und Quartierentwicklung eine wichtige Rolle. Fassadengestaltung ist ein Bestandteil davon. Durch Farbe am Bau können einzigartige und unverwechselbare Stadtensembles entstehen, die ein Stadtbild prägen.

 

Bachmann, Caparol FarbDesignStudio:
Wie kann man diese Informationen in ein Farb- oder Charakterprofil für eine Stadt übertragen?

Federschmidt/ Volle, Farbansichten:
Auf Basis einer Stadtraumanalyse wird die Grundidee der Erstellung eines Farbprofils verfolgt und eine Analyse- und Auswertungsmethode erstellt. Diese Methode dient als Grundlage zur Erstellung neuer Farbkonzepte oder Farbrahmenplanungen von Stadtgebieten.

 

Bachmann, Caparol FarbDesignStudio:
Wie wählt Ihr Farben für ein architektonisches Konzept aus?

Federschmidt/ Volle, Farbansichten:
Definitiv werden Farben nicht nach dem eigenen Geschmack ausgewählt, vielmehr werden durch den analytischen Ansatz Grundlagen für die Gestaltung geschaffen, welche wir erklären können.