Calciumsilikatplatten Calciumsilikatplatten

Calciumsilikatplatten
Von Rudolf Kolb

Um den Energieverbrauch eines Gebäudes zu verringern ist die Dämmung der Fassade, schon aus Gründen der Bauphysik, immer die erste Wahl. Doch an vielen Gebäuden ist die Realisierung dieser Maßnahme nicht immer möglich. Dies betrifft insbesondere denkmalgeschützte Bauwerke. Häufig gibt es Unstimmigkeiten zwischen den Eigentümern in Mehrparteienhäusern oder der Abstand zum Nachbargrundstück lässt das Anbringen einer Fassadendämmung nicht zu. In solchen Fällen zeigt sich die Innendämmung als eine durchführbare Alternative für die energetische Sanierung eines Gebäudes oder auch einzelner Räume. Als Dämmstoff werden im Innenbereich zunehmend mineralische Produkte eingesetzt. Dazu gehört insbesondere die Calciumsilikatplatte, die eine hohe Kapillarität und Alkalität aufweist. Zusätzlich ist dieser Baustoff feuchtigkeitsregulierend, formstabil, nicht wasserlöslich und als nicht brennbar (Baustoffklasse A1) eingestuft. Der Einsatzbereich von Calciumsilikatplatten beschränkt sich nicht nur auf die energetische Sanierung von Gebäuden. Auch auf schimmelgefährdeten Außenwänden können die Platten gezielt als konstruktiver Schimmelschutz verwendet werden.

Herstellung
Hergestellt werden die Calciumsilikatplatten aus Sand und Kalk (Siliziumdioxid und Calciumoxid). Diese Rohstoffe werden in Wasser aufgeschlämmt und reagieren zu einer Vorstufe des Calciumsilikates. Nach Formgebung wachsen die Calciumsilikatkristalle in einem Autoklavierungsprozess (Reaktion in überhitztem Wasserdampf und hohem Druck) zu einer feinporigen und offenen, kapillaren Struktur. Bei der Herstellung werden keine Treibmittel, organische Additive oder Mineralfasern verwendet. Eine Armierung erfolgt mit Zellstoffasern.

Wirkprinzip bei der Schimmelsanierung
Durch das Anbringen der Innendämmung wird die Temperatur der Wandoberfläche erhöht, was sich schon mal positiv gegen die Schimmelpilzbildung auswirkt. Zusätzlich sind Calciumsilikatplatten als kapillaraktiv zu bezeichnen und somit in der Lage, überschüssigen Wasserdampf aus der Raumluft aufzunehmen. Das Prinzip funktioniert folgendermaßen: Durch die Diffusion wird Wasserdampf von der Raumseite in die Dämmschicht eingebracht. An der Kaltseite der Dämmung kühlt die feuchte Luft ab und kondensiert in dem Porengefüge der Calciumsilikatplatte. Durch den Kapillareffekt wird das Tauwasser innerhalb der Dämmung verteilt und zur Raumseite transportiert. Dort kann dann die Feuchtigkeit durch Diffusion und Verdunstung an den Innenraum abgegeben werden. Das Verfahren kann allerdings nur funktionieren, wenn die Räumlichkeiten ausreichend gelüftet werden. Die Alkalität der Platte verringert zusätzlich die Gefahr der Schimmelpilzbildung.

Systemaufbau
Die Platten werden mittels eines Spezialklebers auf einem tragfähigen Untergrund, der auch noch etwas feucht sein darf, hohlraumreif aufgeklebt und bei Bedarf mit Tellerdübeln befestigt. Um spätere Rissbildung im Bereich der Plattenstöße zu vermeiden werden die Calciumsilikatplatten, ähnlich wie eine Fassadendämmung, mit einer Armierungsschicht, bestehend aus einem mineralischen Putz und einem Armierungsgewebe, versehen. Da der Anspruch an glatte Flächen im Innenraum deutlich höher ist als im Fassadenbereich wird die Armierungsschicht meistens zusätzlich mit einem feinen Flächenspachtel abgeglättet. Anschließend können die Flächen mit einer Farbe beschichtet und gestaltet werden. Wichtig ist es, dass der gesamte Aufbau vom Putz bis zur Endbeschichtung mit den bauphysikalischen Eigenschaften der Innendämmung kompatibel ist. Dies gilt insbesondere für die Diffusionseigenschaften. Hierfür werden hauptsächlich Produkte auf mineralischer Basis verwendet. Bei Putzen handelt es sich in der Regel um Kalk- bzw. Kalkzementmörtel (Mörtelgruppe P I und P II). Der Anstrich erfolgt dann mit einer Dispersionssilikat- oder Kalkfarbe. Die ökologische Variante kann auch schon mal aus einem Lehmputz bestehen, der ebenfalls stark diffusionsoffen ist und auf natürliche Weise die Raumfeuchte reguliert. Sollte das System gezielt als Schimmelschutz- bzw. Präventionsmaßnahme eingesetzt werden, ist es wichtig, dass der gesamte Aufbau, außer den positiven Diffusionseigenschaften, eine möglichst hohe Alkalität aufweist. Denn ein hoher pH-Wert kann bekanntlich das Wachstum von Schimmelpilzen zusätzlich verzögern.

Anstrichempfehlung
Beim Anbringen der Innendämmung auf Calciumsilikatbasis sollte streng im System gearbeitet werden. Jeder Hersteller bietet zu diesem Zweck ein komplettes System an oder verweist auf Alternativprodukte. Vom Kleber über Platte bis hin zum Endanstrich sind die einzelnen Komponenten aufeinander abgestimmt. Der Einsatz systemfremder Produkte könnte die Funktionalität der Dämmschicht nachteilig beeinträchtigen.

Sofern eine bereits gedämmte Wandfläche anstrichtechnisch überarbeitet bzw. renoviert werden soll, ist darauf zu achten, dass möglichst diffusionsoffene Beschichtungsstoffe zum Einsatz kommen. Eine dichte Tapete oder ein glänzender Latexanstrich würden die Funktionalität des gesamten Systems einschränken. Calciumsilikatplatten werden ohne eine Dampfsperre verbaut. Bei einer dichten Oberfläche könnte der eindringende Wasserdampf nicht mehr ohne weiteres verdunsten und würde sich in Form von Tauwasser in der Dämm- bzw. Wandschicht dauerhaft anreichern. Dies würde zu massiven Schäden führen und hohe Folgekosten nach sich ziehen.

Aus diesem Grund ist es wichtig, im Zuge der Untergrundbeurteilung zu erkennen, ob an der zu beschichtenden Fläche eine Innendämmung vorliegt. Die ersten Hinweise liefert das Abklopfen der Oberfläche. Zu den Details könnten die Raumnutzer bzw. Eigentümer befragt werden.

Beschichtungsmöglichkeiten bei der Sanierung von bestehenden Innendämmsystemen aus Calciumsilikatplatten

Grundbeschichtung    Zwischenbeschichtung    Ein- bis zweimalige Schlussbeschichtung
Sylitol-Konzentrat 111, 2 : 1 mit Wasser verdünnt
Sylitol Bio-Innenfarbe
Sylitol-LithoSil
Sylitol-Compact
Sylitol-Minera / Sylitol-Compact Sylitol Antik-Lasur
Sylitol-Minera Sylitol-Minera / Sylitol Bio-Innenfarbe