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Schweinfurter Grün

Wie Arsen Farben und Tapeten zum Leuchten brachte
(und manchen um die Ecke)

Der Österreicher Ignaz Edler von Mitis (1771-1842) entdeckte im Jahr 1805 beim Ausfällen von Grünspan mit einer Arsenverbindung "Arseniksaures Kupfer", ein gelbgrünes Pigment, das nach ihm Mitisgrün benannt wurde. Die industrielle Produktion des leuchtenden und lichtbeständigen Arsenpigmentes begann um 1808 in Schweinfurt in der Farben- und Bleiweiß-Fabrik Wilhelm Sattler. Der Fabrikationsort gab dem Pigment den Namen Schweinfurter Grün. Den Nachweis der giftigen Wirkung von mit Schweinfurter Grün bedruckten Tapeten veröffentlichte erstmals der Merseburger Arzt Carl von Basedow im Jahr 1844. Er zeigte, dass ein bestimmter Pilz (Penicillium brevicaule) aus leimgebundenem Schweinfurter Grün organische Arsenverbindungen freisetzt, die über die Atemluft zu Vergiftungen führen.

Schweinfurter Grün war im 19. Jahrhundert sehr beliebt. Ein Indiz dafür ist die Vielzahl an Farbbezeichnungen. So spricht man auch von  Pariser Grün, Patentgrün, Wiener Grün, Smaragdgrün, Papageiengrün, Kaisergrün etc. Es diente zum Anstreichen von Wänden, zum Bedrucken von Tapeten, zum Färben von Stoffen, z.B. für smaragdgrüne Ballkleider der modebewussten Frau des 19. Jh., oder als Künstlerfarbe. Es fand sich besonders gerne in der Farbpalette der französischen Impressionisten wie Paul Gauguin oder Vincent van Gogh.

In Deutschland ist Schweinfurter Grün seit 1882 für Hausanstriche und Tapeten verboten.
(© Stefan Muntwyler / Georg Kremer, 2010)

‚Giftgrün‘ und Napoleons Tod

Tja…  und was hat jetzt das Schweinfurter Grün mit dem Tod Napoleon Bonapartes zu tun? Lange Zeit wurde über die Todesursache von Napoleon Bonaparte spekuliert und darüber, ob es etwa mit der grünen Tapetenfarbe auf Sankt Helena zusammenhängt. 1821 stirbt Napoleon dort.  Da ist das Grün gerade voll in Mode. Erst 19 Jahre später - 1840 kommt sein Leichnam zurück nach Frankreich.

Es ist genau die Zeit, in der Wissenschaftler gerade erste Bedenken über das Arsen in der leuchtend grünen Farbe äußerten. Sein Leichnam war kaum verwest, was den Verdacht auf eine Arsenvergiftung bestärkte. Dies wurde jedoch 2008 durch eine italienische Forschergruppe in Frage gestellt, die durch Haaranalysen zu dem Ergebnis kam, dass in allen betrachteten Lebensphasen Napoleons, sowie in Haarproben seines Sohnes und seiner Ehefrauen ähnlich hohe Gehalte des giftigen Metalls im Körper vorhanden waren und somit keine (zumindest absichtliche) Vergiftung vorliegt.[6]

Napoleon Bonaparte